Die Lügen des Locke Lamora von Scott Lynch

„Die Lügen des Locke Lamora“ von Scott Lynch

Über 800 Seiten mittelalterlicher Fantasy hat Scott Lynch mit seinem ersten Werk veröffentlicht. Gerade bei solch langen Büchern stellt sich immer die Frage, ob der Autor die Spannung halten kann – es gibt einige Negativbeispiele wie Harry Potter, allerdings auch positive Vorkommnisse, wie zum Beispiel die Tribute von Panem. Zu welcher Seite gehört „Die Lügen des Locke Lamora“?

Klappentext

Im Stadtstaat Camorr hat man eine ganz eigene Lösung gefunden, um die Kriminalität unter Kontrolle zu halten: den „Geheimen Frieden“. Gemäß dieser Absprache zwischen dem Adel und dem Herrscher der Unterwelt dürfen Diebe mehr oder weniger ungestraft ihr Unwesen treiben, solange die Aristokratie von ihnen verschont bleibt. Doch Locke Lamora und seine Gentlemen-Ganoven halten nicht viel von Absprachen und haben es sich zur Gewohnheit gemacht, die Reichen der Stadt um ihr Geld zu erleichtern. Das funktioniert wunderbar, bis der geheimnisvolle Graue König mithilfe eines scheinbar unbesiegbaren Soldmagiers die Macht über die Unterwelt an sich reißt und droht, das sensible Herrschaftsgefüge von Camorr aus dem Gleichgewicht zu bringen – und dazu braucht er Lockes einzigartige Fähigkeiten …

Meine Meinung

Ich habe mir „Die Lügen des Locke Lamora“ von einem Freund ausgeliehen, der nicht davon ablassen wollte, mir von der Genialität des Buches zu erzählen (kleiner Gruß an dieser Stelle). Letztendlich hatte ich irgendwann nichts mehr zu lesen und habe mir den Roman ausgesucht, ohne zu wissen, was mich erwartet. Noch nicht mal einen Klappentext hatte ich gelesen, vom Autor hatte ich noch nie etwas gehört. Letztendlich muss ich sagen, ich bin wirklich unglaublich positiv überrascht. Ich schreibe den Artikel direkt nachdem ich den Epilog fertig gelesen habe und stehe noch total unter den Eindrücken des Buches.

Scott Lynch hält in seinem Roman die vollen 840 Seiten die Spannung. Ich will nicht wissen, wie mein Mienenspiel während der Lektüre ausgesehen hat, denn wenn der Protagonist Locke Lamora in diesem Buch die anderen Charaktere und manchmal selbst den Leser aufs Kreuz legt stiehlt sich mir immer so ein leicht schelmisches Grinsen ins Gesicht. Was mich noch fasziniert ist, dass Scott Lynch ein wirklich komplexes Buch schreiben kann ohne es kompliziert und damit unangenehm zu machen. Als Leser bewegt man sich durch eine riesige Spielwelt mit für ein Buch unüblich vielen Charakteren und Details – trotzdem findet man sich wunderbar zurecht.

Mein einziger Kritikpunkt für „Die Lügen des Locke Lamora“ ist die teilweise sehr große Brutalität und Gewalt. Denn den Detailreichtum, den es überall im Buch gibt und der mir sehr gefällt hält Lynch auch während beispielsweise Folterungen aufrecht – eine Stelle, an der ich ihn zumindest für eine Unterhaltungslektüre, die es ja ist, nicht so sehr schätze.

Buchzitat

Unmittelbar vor ihnen schnellte der Hai aus dem Boden […] und stürzte […] direkt auf Capa Barsavi. Barsavi hob hastig die Arme, um sich vor dem Angriff zu schützen; der Hai fiel noch immer, mit dem weit aufgerissenen Maul nach einem Arm schnappend. Der muskelstrotzende Leib des Ungeheuers schlug hart auf den Holzplanken auf, Barsavi mit sich reißend. Die erbarmungslosen Kiefer klappten zu, und Barsavi stieß einen gellenden Schrei aus, als direkt unter seiner rechten Schulter das Blut aus seinem Körper spritzte […].

Lynch, Scott: Die Lügen des Locke Lamora, Heyne 2007, S. 572

Fazit

Mit „Die Lügen des Locke Lamora“ hat Scott Lynch ein wunderbares Erstlingswerk veröffentlicht, das seinesgleichen sucht. Die mittelalterlich angehauchte Fantasywelt, die er geschaffen hat, beeindruckt an jeder Stelle mit ihrem Detailreichtum und ihrer Weitläufigkeit. Die Story ist durchweg spannend, jedoch an einigen Stellen auch ungeschönt und brutal. Ansonsten dürfte in diesem Buch jeder eine Lektüre finden können, die ihn je nach Lesetempo ein paar Tage bis Wochen in Atem hält.

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Vitus Hösl

Ich bin Webentwickler und Gründer dieses Blogs und kümmere mich hier um alles technische. Außerdem bin ich natürlich leidenschaftlicher Leser, am liebsten Thriller und Science Fiction (Lieblingsbuch: "Little Brother" von Cory Doctorow)

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