"Mehr als nur ein Zeuge" von Keren David

„Mehr als nur ein Zeuge“ von Keren David

Ein einfacher 14-Jähriger beobachtet eine Messerstecherei in einem Park in London. Da er bei der Polizei ausgesagt hat, wird er in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen, bekommt eine neue Identität und zieht um. Ob das spannend ist, kläre ich in diesem Artikel.

Klappentext

Joe ist alles, was Ty nicht ist: cool, lässig, ein Mädchenschwarm. Doch Joe ist Ty. Zumindest war er das früher. Bis er diesen Mord beobachtet und vor der Polizei ausgesagt hat. Bis er und seine Mutter mit knapper Not einem Brandanschlag entkommen sind. Seitdem sind sie nirgends mehr sicher. Nicht mal mit ihren neuen Namen in der neuen Wohnung in einem anderen Ort, wo sie niemanden kennen. Wo es Ty/Joe eigentlich gefällt, wo er sich verliebt und Anerkennung findet. Aber die Gangster sind schlau und locken Ty/Joe aus der Reserve – indem sie seine Großmutter attackieren.

Meine Meinung

Am Anfang von Mehr als nur ein Zeuge dachte ich, der Protagonist wäre weiblich, bis zum ersten Mal darauf hingewiesen wurde. Das liegt mit Sicherheit am Schreibstil der Autorin und soll vielleicht auch die Wesensänderung des Protagonisten verdeutlichen, der ja später um einiges männlicher wirkt. Auch muss ich sagen, dass das Buch entgegen dem was auf dem Einband steht aus meiner Sicht definitiv kein Thriller ist. Vor allem ist es ein Jugendroman mit Thrillerelementen. Es geht um Liebe und Leidenschaft, um den Umzug in eine neue Stadt und das Bilden einer eigenen neuen Identität. Das alles ist kein Thriller und hätte fast genauso gut in einem Buch passieren können, in dem der Protagonist einfach in eine neue Stadt zieht und dort mehr akzeptiert wird.

Sehr gut gefällt mir allerdings die persönliche Beziehung zum Leser, die durch den besonderen Schreibstil aufgebaut wird. Auch, wenn der Leser nicht wirklich einbezogen wird, kann man doch sagen, dass er sich in den Charakter und all seine Schwierigkeiten hineinversetzen kann. Wiederrum nicht so gut finde ich die teilweise nicht ganz passenden und zum Teil auch unlogischen Zusammenhänge im Buch. Leider ist das Buch – wenn man sich innerlich auf einen Thriller vorbereitet hat – auch nicht wirklich spannend.

Buchzitat

Wir hören es alle drei: ein Klirren wie von splitterndem Glas. […] Es kam von unten. Dann riecht es auf einmal süßlich und metallisch … kein Parfüm … Ich kenne den Geruch, komme aber nicht gleich drauf.
„Raus hier!“, ruft der Polizist. „Los, die Treppe runter!“
Wir hasten die Treppe hinunter […]. Rauch steigt auf … Rauch dringt ins Treppenhaus, aber da sind wir schon aus der Tür raus und stehen draußen in der Nacht.
Mr Patels Laden brennt.

David, Keren: Mehr als nur ein Zeuge, dtv 2011, S. 14

Fazit

Das Lesen von Mehr als nur ein Zeuge macht Spaß, wer sich jedoch auf das freut, was im Klappentext versprochen wurde, wird leider enttäuscht. Das Buch ist kein Thriller, sondern in erster Linie ein Jugendroman mit solchen Elementen. Die Charaktere sind sehr ansprechend und persönlich gestaltet, die Logik lässt an manchen Stellen jedoch zu wünschen übrig. Auch die Spannung hat – zumindest für einen Thriller – ihre Höhen und Tiefen.

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Vitus Hösl

Ich bin Webentwickler und Gründer dieses Blogs und kümmere mich hier um alles technische. Außerdem bin ich natürlich leidenschaftlicher Leser, am liebsten Thriller und Science Fiction (Lieblingsbuch: "Little Brother" von Cory Doctorow)

Meta

  • Veröffentlicht am 2. November 2014 um 12:00 Uhr
  • Buch, Thriller
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